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Amerikanisches Idyll

Vom Ende des Traums

In seiner ersten Regiearbeit hat Ewan McGregor den 400-Seiten Roman „Amerikanisches Idyll“ von Philip Roth aus dem Jahr 1997 verfilmt, in dem ein braver Bürger aus seiner behaglichen Lebensplanung geworfen wird, als seine Tochter 1968 einen Bombenanschlag auf das lokale Postamt verübt und anschließend untertaucht.

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In seiner ersten Regiearbeit hat Ewan McGregor den 400-Seiten Roman „Amerikanisches Idyll“ von Philip Roth aus dem Jahr 1997 verfilmt. Er selbst spielt die Hauptrolle, den braven amerikanischen Bürger Seymour Levov, den sie in seiner Schulzeit wegen seiner blonden Haare alle nur den „Schweden“ nennen. Als Sportskanone, everybody’s darling und Erbe des Familienbetriebs steht dem Nachkommen jüdischer Einwanderer in der dritten Generation ein goldenes Leben offen. Er heiratet die christliche Schönheitskönigin Dawn, zieht mit ihr und Tochter Merry in ein großes Haus im ländlich-protestantisch-weißen Old Rimrock und führt die Firma mit feudaler Sorge um seine Angestellten. Doch dann passieren die 1968er, Merry wird verdächtigt, eine Bombe im Postamt von Old Rimrock platziert zu haben, und das sonnige Selbstverständnis des Schweden und seine ganze Lebensplanung brechen wie ein Kartenhaus ein. Jahrelang sucht Levov nach seiner Tochter, versucht, und scheitert daran, den Furor, den Hass der jungen Generation auf Amerika und den Ausbruch der Gewalt zu verstehen. AMERIKANISCHES IDYLL nähert sich seinem rätselhaften Gegenstand, dem ganz normalen Bürger, über eine verschachtelte Rahmenhandlung. Dadurch bleibt dem Film allerdings nicht mehr viel Zeit, die absurden Roth-typischen Haken, die der Plot schlägt, auch noch mit psychologischer Tiefe auszustatten. Die bemerkenswerte Entwicklung von Dawn von Schönheitskönigin über Kuhzüchterin zur Kunstmäzenin hätte ruhig ausführlicher sein können, oder Merrys Werdegang oder die Geschichte der linksradikalen Psychotherapeutin, oder die Verhandlung sexueller Obsessionen, die sich sonst durchgängig durch Roths Bücher zieht. Auch dem Schweden selbst, um dessen Ringen mit einer radikal veränderten Lebensperspektive es ja geht, kommt man nicht sehr nahe. Hier lagert noch Material für eine mindestens 10-teilige Serie.

Hendrike Bake

Details

Originaltitel: American Pastoral
USA 2016, 126 min
Genre: Drama, Krimi
Regie: Ewan Mcgregor
Drehbuch: John Romano
Kamera: Martin Ruhe
Schnitt: Melissa Kent
Musik: Alexandre Desplat
Verleih: Tobis Filmverleih
Darsteller: Ewan McGregor, Jennifer Connelly, Dakota Fanning, David Strathairn, Peter Riegert
FSK: 12
Kinostart: 17.11.2016

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