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Allegro Pastell

Fast so etwas wie Nostalgie

Die Frage nach der richtigen offenen Beziehung stellt sich genauso wie die nach den richtig dosierten Partydrogen.

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Tanja (Sylvaine Faligant) lebt als Autorin in Berlin, Jerome (Jannis Niewöhner) gestaltet Webseiten und wohnt allein in seinem Elternhaus Nähe Frankfurt. Es ist das Porträt einer Fernbeziehung von zwei gut situierten, hippen Menschen Anfang 30 in den späten 2010ern. Und so gibt es in der Filmadaption genau wie in der Romanvorlage ALLEGRO PASTELL viele Zugfahrten, durchtanzte Nächte und aufgewühlte Laken. Irgendwann trifft Jerome seine unerfüllte Grundschulliebe Marlene (Haley Louise Jones) in der hessischen Heimat, und in Berlin liefert sich Tanjas Schwester Sarah (Luna Wedler) selbst in eine Klinik ein. Die Frage nach der richtigen offenen Beziehung stellt sich genauso wie die nach den richtig dosierten Partydrogen. Also geht es einfach nur um ein paar privilegierte Menschen, die ständig um sich selbst kreisen – oder um eine ganze Generation, die schon vor der Pandemie zwischen ethischer Verantwortung und hedonistischer Zerstreuung pendelte? Roman- und jetzt auch Drehbuchautor Leif Randt ist bekannt für seine präzisen, humorvollen Beobachtungen der Berlin-Neukölln-Blase. Das ist nervenaufreibend und auch mal nervig, aber macht gleichzeitig auch ein bisschen süchtig. Die matten, unaufgeregten Gedanken, die Jerome und Tanja als E-Mails und Chatnachrichten (auf keinen Fall als Sprachnachrichten!) austauschen, funktionieren erstaunlich gut auf der großen Leinwand. Trotz wenig Plot vergehen die 100 Minuten wie im Flug. Was werden Tanja und Jerome als Nächstes anstellen, um die Kontrolle über ihre Gefühle zu behalten, während sie weiter ins selbstgemachte Unglück treiben? Anna Roller schafft es, aus „Germany’s Next Love Story“ einen Berlinfilm zu machen, der sich schon fast wie ein Period Piece anfühlt. Soundtrack und Style von 2018/19 in lichtdurchfluteten Bildern auf dem Tempelhofer Feld oder vor der Frankfurter Skyline versprühen schon fast so etwas wie Nostalgie. Die Intimität, die gezeigt wird, ist alltäglich und intensiv – und wirkt im Licht der neuesten MeToo-, bzw. Epstein-Enthüllungen wie ein Traum. Selten wurde so ein Roman so exakt und dabei so befriedigend auf die Leinwand transportiert.

Anna Hantelmann

Details

Deutschland 2026, 99 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama, Literaturverfilmung
Regie: Anna Roller
Drehbuch: Leif Randt
Kamera: Felix Pflieger
Schnitt: Andreas Wodraschke
Musik: Max Rieger
Verleih: DCM Film Distribution
Darsteller: Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Sylvaine Faligant, Martina Gedeck, Wolfram Koch, Haley Louise Jones
Kinostart: 16.04.2026

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Allegro Pastell

Deutschland 2026 | Drama, Literaturverfilmung | R: Anna Roller | Interview

Die Frage nach der richtigen offenen Beziehung stellt sich genauso wie die nach den richtig dosierten Partydrogen.

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