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Albrecht Schnider – Was bleibt

Eine Form stellt sich ein

Seit 14 Tagen malt Schnider eine schwarze Linie auf weißem Hintergrund. Wiederholung und Zufall, sagt der Maler, sind der Kern seiner Arbeit.

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Rita Zieglers Film über den Schweizer Maler Albrecht Schnider ist ein Film, der beobachtet, wie Kunst entsteht. Ein sehr ruhiger, konzentrierter und ungemein sinnlicher Film, der, ähnlich wie Henri-Georges Clouzots Film PICASSO (1956) den Prozess des Malens und Übermalens zeigt, aus dem sich das endgültige Werk entwickelt. Schnider bereitet eine Ausstellung in New York vor, in der er seine zeichnerische Methode auf Ölgemälde übertragen will. Zuvor war Schnider vor allem durch seine großformatigen, abstrakten Acrylbilder bekannt geworden, die minutiös geplant sind, aber aus einer an die écriture automatique der Surrealisten erinnernde Zeichentechnik entstanden sind. Die Bilder für die neue Ausstellung werden klein, ungefähr 60x30cm. Seit 14 Tagen malt Schnider eine schwarze Linie auf weißem Hintergrund. Wiederholung und Zufall, sagt der Maler, sind der Kern seiner Arbeit. Es ginge nicht um einen inneren Ausdruck, sondern darum, „Ja“ zu sagen, wenn sich eine Form einstellt. Das Malen des Bildes dauert zehn bis fünfzehn Sekunden. Der Pinsel setzt am unteren Rand der Leinwand auf, fährt, mit einigen Schlenkern und Kringeln in die Höhe, wo eine freie Form das Gebilde krönt, bevor der Strich abfällt. Er warte darauf, dass das Bild ihn anblickt, sagt Schnider. Er malt und wischt das Gemalte wieder fort, malt erneut, wischt. Auf der Leinwand beginnt sich eine graue Spur in der Mitte des Bildes abzuzeichnen, die Schnider so lange stehen lässt, bis er sich entschließt, sie auch wieder weiß zu übermalen. Plötzlich ist der Moment da, und die Form stimmt. Als hätte das Beobachten der Arbeit gelehrt, mit nach ihr zu suchen, wird sofort offensichtlich, dass hier etwas gelungen ist. Nicht nur etwas „verführerisch Hübsches“, nichts, was Schnider mit den Worten „das hier ist nur Geschwätz“ abtun wird. „Es ist wie eine Versöhnung mit der ganzen Welt“, sagt Schnider. „Zumindest für heute.“

Tom Dorow

Details

Schweiz 2019, 75 min
Sprache: Deutsch
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Rita Ziegler
Kamera: Isabel Casez, Martina Radwan, Rita Ziegler
Schnitt: Valérie Smith
Musik: Terry Riley, Colin Vallon
Verleih: mindjazz pictures
FSK: oA
Kinostart: 16.01.2020

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