Entfernung über GPS
ab PLZ

Ai Weiwei – The Fake Case

Eine persönliche Annäherung

Der chinesische Installations-, Performance- und Medienkünstlers Ai WeiWei gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern überhaupt. Im Ausland geschätzt und auf allen wichtigen Messen vertreten, wird er in seiner Heimat systematisch drangsaliert und überwacht. Naders Johnsens Dokumentation unternimmt eine sehr persönliche Annäherung an den Künstler.

Mehr

Der chinesische Installations-, Performance- und Medienkünstlers Ai WeiWei gehört zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern überhaupt. Im Ausland geschätzt und auf allen wichtigen Messen vertreten, wird er in seiner Heimat systematisch drangsaliert und überwacht. Zeitgleich zur großen Werkschau „Evidence“ die noch bis zum 7. Juli im Martin-Gropius-Bau stattfindet, erscheint nun eine Dokumentation, die eine sehr persönliche Annäherung an den Künstler unternimmt.
Das Porträt des dänischen Regisseurs Andreas Johnson beginnt an dem Tag, an dem der 56-jährige Künstler nach einer 81 Tage andauernden Einzelhaft nach Hause entlassen wird. Ihm werden „Wirtschaftsverbrechen“ vorgeworfen, die schikanösen Haftbedingungen haben ihn sichtlich geschwächt, aber nicht nachhaltig eingeschüchtert. Ai WeiWei selbst bezeichnet die Ermittlungen als „Fake Case“ und reagiert auf den ihm auferlegten Hausarrest unbeeindruckt mit noch mehr Öffentlichkeit. Täglich geben sich in seinem Pekinger Studio Journalisten, Künstler und Mitarbeiter die Klinke in die Hand. Wenn es dann ruhiger wird, sieht man Ai WeiWei mit seinem kleinen Sohn Ai Lao spielen, seinen Blutdruck messen oder müde auf den Bildschirm starren. Auch Ais Kraft, man spürt es deutlich, ist endlich. Inhaltlich bleibt er trotzdem kompromisslos. Auf die Frage, warum er die chinesischen Autoritäten denn immer wieder reize, antworte er ganz schlicht, dass er nur seine Menschen- und Bürgerrechte wahrnehme - wie jeder andere auch. Johnsens Film kommt auf ruhige Art dem Menschen Ai WeiWei tatsächlich sehr nahe, ein Rest von Geheimnis aber bleibt. Spürbar wird dies in der allerletzten Einstellung, als Ai vor laufender Kamera in die Dusche steigt und sich bei geschlossenen Augen das heiße Wasser auf den Kopf prasseln lässt. Offenheit hin oder her – die Gedanken sind frei…

Luc-Carolin Ziemann

Details

Dänemark 2013, 86 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Andreas Johnsen
Drehbuch: Andreas Johnsen
Kamera: Andreas Johnsen
Schnitt: Adam Nielsen
Verleih: mindjazz pictures
FSK: oA
Kinostart: 08.05.2014

Website
IMDB

Vorführungen

Vorführungen

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.