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800 Mal Einsam – Ein Tag mit dem Filmemacher Edgar Reitz

Kein Selbstdarsteller

Die Filmemacherin Anna Hepp porträtiert den legendären Autorenfilmer, Regisseur der „Heimat“ – Serien- und Kinowerke und Mitinitiator des Oberhausener Manifests Edgar Reitz.

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Die Filmemacherin Anna Hepp porträtiert den legendären Autorenfilmer, Regisseur der „Heimat“ – Serien und Kinofilme und Mitinitiator des Oberhausener Manifests Edgar Reitz. Hepp verehrt Reitz und sagt das gleich zu Anfang. Aber der tief ernste Reitz will nicht verehrt werden. Er ist kein Selbstdarsteller, weicht ihrem Blick und der Kamera aus, der Widerwille gegen Starkult und Oberflächlichkeit ist groß. Das Gespräch kommt dadurch ins Laufen, dass Hepp Reitz den Raum zum Erzählen gibt. Sie gibt Stichworte, er bestimmt Reihenfolge, Tempo, meist auch das Thema und erstaunt seine Gesprächspartnerin immer wieder mit unerwarteten Perspektiven und Geständnissen.
Reitz erzählt von sich als jemand, für den das Filmemachen die prägendste Kraft im Leben war: „Ein Film ist ein Magnetfeld, und das gesamte übrige Leben richtet sich nach diesem Magnetfeld aus.“ Finanzielles Risiko und große Abhängigkeit von der Resonanz sind naheliegende Folgen. Überraschender ist, dass Reitz, der viel mit autobiografischem Material gearbeitet hat, von der erschreckenden Erfahrung berichtet, dass persönliche Erlebnisse, die Erinnerung und sein Verhältnis dazu in vielen Fällen ausgelöscht wurden durch die filmische Verarbeitung, er Wirklichkeit und Kunst nicht mehr unterscheiden könne. Ob dieser Verlust sich lohne, fragt Hepp, das eigene Leben dem Film zu opfern – Reitz ist unsicher, gewählt hat er das so nicht.
Er gibt ehrlich Einblick in die Schattenseiten seines Filmemacherlebens, erzählt von tiefen Krisen, Zweifeln, Verletzungen. Noch nachdem „Heimat“ und „Die zweite Heimat“ Welterfolge waren hat es dreizehn Drehbuchversionen gebraucht, bis man beim WDR bereit war, die Fortsetzung zu finanzieren. Der marketingtaugliche, aber sinnfreie Titel „Heimat 3“ wurde Reitz aufgezwungen, die Filme wurden nur halb gut. Man fragt sich unwillkürlich, wie gut die ersten Versionen waren.

Susanne Stern

Details

Originaltitel: 800 mal einsam – Ein Tag mit dem Filmemacher Edgar Reitz
Deutschland 2019, 84 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Anna Hepp
Drehbuch: Anna Hepp
Kamera: Oliver Freuwörth, Elí Roland Sachs, Christian Scholz
Schnitt: Julia Suermondt
Verleih: déjà-vu film
FSK: oA
Kinostart: 05.03.2020

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