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Robby Müller – Master of Light

Mal beeindruckend, mal überfordernd - die neue Ausstellung im Filmmuseum

Jim Jarmusch bringt es auf den Punkt, als er über den Kameramann Robby Müller in einem Interviewfilm sagt, dass man seine Arbeit nicht zusammenfassen könne, dass Müller widersprüchlich sei, und dass eben alle seiner Werke, auch die, die er mit Jarmusch gemacht hat (u.a. DOWN BY LAW, DEAD MAN und MYSTERY TRAIN) sehr unterschiedlich seien. So eine Einsicht stellt Kuratoren, die ihm eine Ausstellung widmen, natürlich vor Herausforderungen, und es muss geordnet werden. Die Ausstellung "Robby Müller - Master of Light", die bis zum 5.11.2017 im Filmmuseum Berlin zu sehen ist, und eine Übernahme des EYE Filmmuseum Amsterdam ist, löst dieses Problem durch große Namen. Wim Wenders, Jim Jarmusch und Lars von Trier bieten sich da an, und so sind die zweieinhalb Räume des Filmmuseums nach den Kollaborationen Robby Müllers mit den drei bekannten Autorenfilmern strukturiert. Daneben gibt es Polaroids, Drehbücher und Privatkorrespondenzen in Vitrinen zu entdecken und privat Gefilmtes von Müller in durch die Ausstellung verstreuten Fernsehern zu sehen.

Wie stellt man aber die Kameraarbeit eines Kameramannes in einem Museum aus? Man zeigt vor allem Filmausschnitte als Zweier- oder Dreierinstallationen. Die Dyptichen und Tryptichen, die Kurator Jaap Guldemond vom EYE nun nach Berlin gebracht hat, lassen die Bilder Robby Müllers miteinander korrespondieren oder vermehrfachen diese, was mal beeindruckend, mal überfordernd wirkt. Wenn da zum Beispiel im ersten Raum die Themen von Landschaft und Reise anhand von Wenders' FALSCHE BEWEGUNG in drei verschiedenen Ausschnitten gezeigt werden, und Hanna Schygulla, Rainer Vogler und Peter Kern nebeneinander aber in unterschiedlichen Szenen die gleichen Berge hochspazieren, ist das zum einen schön anzusehen. Zum anderen werden die Nutzung von natürlichem Licht, die bildlich gesetzte Interaktion zwischen Personen und Außenwelt, und besonders die in Wenders' Road Movies genutzten Kamerafahrten als stilprägendes Mittel und eigenständiger Erzähler deutlich.

Wenn der gleiche Aufbau im Jarmusch-Raum aber eine andere Methode wie das Drehen bei Kunst- und Neonlicht vor allem in Innenräumen am Beispiel von MYSTERY TRAIN verdeutlichen soll, die drei großen Leinwände aber völlig andere Ausschnitte zeigen, weiß man nicht wo hingucken und –hören, denn die Tonspuren der Clips wurden jeweils beibehalten und kommen u.a. aus den Sitzboxen, auf denen man Platz nehmen soll. Im von Trier-Raum buhlen dann ausgerechnet die beiden dramatischsten Szenen aus DANCER IN THE DARK auf zwei Leinwänden nebeneinander um die Aufmerksamkeit der Besucher*innen: Björks aufwendig gefilmt und geschnittene "I Have Seen It all"-Musiknummer und die im Dogma-Stil gehaltene, finale Gerichtsszene.

Aber zurück zu Robby Müller selbst: Der niederländische Kameramann, der seit 1968 auf mehr als 70 Arbeiten zurückblicken kann, war, wie Wim Wenders es in einem anderen, informativen und extra für die Ausstellung produzierten Interviewfilm sagt, jemand, der immer offen für neue technische Wege und ästhetische Lösungen war. Großartig Müllers extreme Farb- und aufwendige Lichtsetzung sowie die mittlerweile ikonische Kameraarbeit in PARIS, TEXAS, in der Natassja Kinski hinter einem Spiegel mit einem ihr Unsichtbaren telefoniert. Ganz anders, und auch ganz atemberaubend dagegen die elegischen Schwarz-Weiß-Bilder aus Jarmuschs DEAD MAN, generell das Wechselspiel in den Ausschnitten zwischen konzentrierter Kadrierung, Bewegung, Stillstand, Kunst- und Naturlicht, Tempo im Bild und meditativer Ruhe. Phänomenal - und Wenders' und Jarmusch's Aussagen zusammenfassend - dann die Arbeit mit von Trier: der Wille dem Dogma 95 zu folgen und keinen Szenenaufbau vorher zu kennen, sondern der Szene dokumentarisch folgen zu müssen (BREAKING THE WAVES), oder einen Film mit mehr als 100 minderwertigen kleinen Digitalkameras zu drehen (DANCER IN THE DARK). Höchste Zeit mal wieder ein paar Robby Müller-Filme zu gucken. Als Appetizer jedenfalls empfiehlt sich seine Ausstellung.

Die Ausstellung „Robby Müller – Master of Light“ ist noch bis zum 5.11. im Filmmuseum am Potsdamer Platz zu sehen.

Toby Ashraf

Robby Müller – Master of Light

06.07.2017 bis 05.11.2017
Filmmuseum am Potsdamer Platz

https://www.deutsche-kinemathek.de/ausstellungen/2017/robby-mueller