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Zwischen den Jahren

Köln-Western

Becker ist vor kurzem aus dem Knast gekommen. Er hat einen Job als Wachmann und beginnt eine Beziehung zur Putzfrau Rita. Aber seine Vergangenheit holt ihn ein, als ein Mann ihn in der U-Bahn erkennt.

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Versuche, den deutschsprachigen Genrefilm wiederzubeleben, gibt es derzeit viele, im letzten Monat etwa den gar nicht mal so üblen Wiener Actionthriller DIE HÖLLE. Noch besser ist das Spielfilm-Debüt ZWISCHEN DEN JAHREN von Lars Henning, der gelungenste deutsche Thriller seit langem. Anders als so viele Tatort-Krimis ist ZWISCHEN DEN JAHREN ganz von den Charakteren her gedacht, wodurch gesellschaftliche Konflikte nicht als „Themen“ mitverhandelt werden, sondern selbstverständlich in der Handlung auftauchen. Der maulfaule, mürrische Becker, der nie seinen Vornamen nennt, ist vor kurzem aus dem Knast gekommen, wo er mehr oder weniger religiös geworden ist. Auf dem Weg zur Arbeit als Wachmann sieht er in der U-Bahn einen heruntergekommenen Typ, der ihn offenbar erkennt und entsetzt auf die abfahrende Bahn zuläuft. Während für Becker, der all sein Unglück gern auf „die Kanaken“ schiebt, allmählich eine Freundschaft zu einem neuen armenischen Kollegen entsteht und eine Beziehung zu Rita, der „Hübschen aus der Putzkolonne“, sich allmählich in Richtung eines proletarischen Kleinfamilienglücks zu entwickeln scheint, beginnt ihn der Mann aus der U-Bahn zu verfolgen. Beckers kriminelle Vergangenheit hat ihn wieder eingeholt und bedroht das nicht einmal besonders spektakuläre Minimalglück. ZWISCHEN DEN JAHREN ist ein Köln-Western, der die alte Geschichte vom ehemaligen Revolverhelden in der Arbeitswelt, und dort ganz unten, ansiedelt. Das Ensemble, allen voran Peter Kurth als Becker, spielt mit lässigstem Understatement und die Regie lässt die Kamera Schönheit an den unwirtlichsten Orten der Großstadtlandschaft finden. Keine Figur ist völlig ungebrochen, mit allen hat der Film Mitgefühl. ZWISCHEN DEN JAHREN ist spannend, elegant, körperlich und souverän inszeniert. Regisseur Lars Hennig zählt zu den Besten, die das deutsche Genrekino zu bieten hat.

Hannes Stein

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Details

Deutschland 2017, 97 min
Genre: Drama, Thriller
Regie: Lars Henning
Drehbuch: Lars Henning
Kamera: Carol Burandt von Kameke
Schnitt: Jan von Rimscha
Musik: Jan Žert
Verleih: Temperclayfilms
Darsteller: Catrin Striebeck, Peter Kurth, Karl Markovics, Marko Dyrlich, Piet Fuchs
FSK: 12
Kinostart: 16.03.2017

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