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Wo willst du hin, Habibi?

Augenzwinkernder Witz

Ibo, schwuler, studierter Deutschtürke, verdient sein Geld heimlich in einem schwulen Pornokino und versteckt eines Tages den Kleinganoven Alexander, einen heterosexuellen, muskulösen Proll.

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Nach schwulen Türken muss man in der deutschen Filmgeschichte schon sehr genau suchen. LOLA UND BILIDIKID (1999) fiele einem da ein, STRAIGHT (2007) und zuletzt EVET, ICH WILL (2008) von Sinan Akkus, immerhin auch schon acht Jahre her. Wenig Aufmerksamkeit hat bislang der autodidaktische Filmemacher Tor Iben erhalten, der das Thema 2011 in seinem Film CIBRÂIL aufgriff und nun mit WO WILLST DU HIN, HABIBI? das abliefert, was man als dramatischen Feelgood-Film bezeichnen könnte. Newcomer Cem Alkan spielt Ibo, einen studierten Deutsch-Türken, der seinen Unterhalt heimlich in einem schwulen Pornokino verdient und eines Tages sehr überraschend den Kleinganoven Alexander bei sich versteckt. Alexander ist ein heterosexueller, muskulöser Proll, in den sich Ibo verliebt und der im Verlauf des unvorhersehbaren bis unwahrscheinlichen Drehbuchs zu einem guten Freund wird. Es steckt oft etwas Naives, Märchenhaftes in dieser Inszenierung, die uns darüber im Unklaren lässt, ob es hier um Abbildung realer Zustände (Ibo wird später von seiner Schwester zwangsgeoutet und zieht bei seiner türkischen Familie aus) geht oder um ein schönes Phantasma, das nach 80 Minuten in einem versöhnlichen Happy End kulminiert. Und genau darin liegt der Reiz des Films, der in den Hauptrollen mit türkisch-stämmigen und in vielen Nebenrollen mit schwarzen SchauspielerInnen besetzt wurde und eine klare Botschaft hat. Natürlich geht es um Alltagsrassismus und Homophobie, um Zugehörigkeit und kulturelle wie sexuelle Identität, nur inszeniert Iben diese Themen mit einer großen Leichtfüßigkeit und Sympathie, die fernab des migrantischen Problemfilms liegt. Dem Cast merkt man seine Spielfreude in jeder Szene an und der augenzwinkernde Witz, der das große Drama immer wieder durchbricht, macht den Film oft zu einer vergnüglichen Reise in eine neu erdachte Berliner Realität.

Toby Ashraf

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Details

Deutschland 2015, 76 min
Sprache: Mandarin
Genre: Drama, Komödie, Liebesgeschichte
Regie: Tor Iben
Drehbuch: Tor Iben
Kamera: Manuel Ruge
Schnitt: Markus Morkötter
Musik: William Kudahl Sørensen
Verleih: Pro-Fun
Darsteller: Cem Alkan, Martin Walde, Neil Malik Abdullah
FSK: 12
Kinostart: 10.03.2016

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