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Wir töten Stella

Aus der Distanz

Die bürgerliche Ehefrau Anna (Martina Gedeck) schreibt nieder, wie es dazu kommen konnte, dass die Studentin Stella, die für eine Weile bei ihnen wohnte und eine Affäre mit Anna Mann einging, umgekommen ist.

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2012 avancierte das elegische Mysterydrama DIE WAND zum Kinoerfolg. Jetzt folgt mit WIR TÖTEN STELLA das Quasi-Prequel dazu, abermals unter der Regie von Julian Roman Pölsler und nach einer Literaturvorlage von Marlen Haushofer und erneut mit einer überzeugenden Martina Gedeck in der Hauptrolle. Die Verbindungen zum Referenzfilm sind allerdings lose, so dass eine Kenntnis desselben nicht nötig ist. In WIR TÖTEN STELLA schreibt Martina Gedeck in ihrer Rolle als Anna retrospektiv nieder, wie es dazu kommen konnte, dass die schon im Titel totgesagte Stella im Leichenschauhaus endete. Stella, das ist eine Studentin, die für ein paar Monate bei Anna, ihrem Mann Richard (Matthias Brandt), dem Teenager-Sohn Wolfgang und der 12-jährigen Anette einzieht. Anna kauft der anfangs schüchternen Stella ein verführerisch rotes Kleid und beobachtet fortan aus der Distanz, wie ihr Ehemann eine Affäre mit der jungen Frau anfängt. Distanz ist das Stichwort bei diesem Film, der eine dieser gutbürgerlichen Familien zeigt, die nach außen hin toll funktionieren, hinter der heilen Fassade aber himmelschreiend zerrüttet sind. Eine ähnlich erstarrte Familie also, wie sie Michael Haneke kürzlich in HAPPY END sezierte. Die zugrunde liegende Haushofer-Novelle erschien bereits im Jahr 1958, der Film spielt indes in der Gegenwart. Das trägt zur künstlichen/künstlerischen Grundstimmung bei, die die Versuchsanordnung auszeichnet, wenn Gedeck etwa als Off-Erzählerin Monologe aus dem Buch zitiert oder auf ihrer Schreibmaschine tippt. Annas Schuldgefühle sind die Triebfeder des Dramas, wofür Pölsler gleich zu Beginn ein treffendes Bild findet: Im Garten verendet ein Vogel, doch statt das Tier zu erlösen, schaut Anna durch die Glasscheibe zu. Genauso wie sie ungerührt zuschaut, als die unbedarfte Stella vor ihren Augen ins Verderben rennt.

Christian Horn

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Details

Österreich 2017, 90 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama
Regie: Julian Pölsler
Drehbuch: Julian Pölsler
Kamera: Walter Kindler, Jrp Artman
Schnitt: Bettina Mazakarini
Verleih: Picture Tree International / AV Visionen
Darsteller: Martina Gedeck, Matthias Brandt, Mala Emde, Julius Hagg
Kinostart: 18.01.2018

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