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Wir sind Juden aus Breslau 

Die Nazis überdauern

Im Rahmen eines Begegnungsprojekts erzählen überlebende Breslauer Juden: von ihrem Leben in Breslau, ihrer Jugend, Fluchtversuchen, dem Verlust ihrer Familien, dem Horror der Lager, aber auch dem Neuanfang, in Israel, den USA, bis hin zum aktuellen jüdischen Gemeindewachstum in Wroclaw.

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Breslau ist Kulturhauptstadt Europas, ein guter Anlass, sich mit einem Stück europäischer Stadtgeschichte zu beschäftigen: der Vertreibung der Juden aus der damals deutschen Metropole unter den Nazis. Regisseurin Karin Kaper entwickelt ihre Dokumentation anhand der Schicksale Überlebender, alle geboren zwischen 1921 und 1931. Im Rahmen eines Begegnungsprojekts polnischer und deutscher Jugendlicher erzählen die Um-die-90-Jährigen: von ihrem Leben in Breslau, ihrer Jugend in der sich zum Holocaust hin entwickelnden Krise, Fluchtversuchen, dem Verlust ihrer Familien, dem Horror der Lager, aber auch dem Neuanfang, in Israel, den USA, bis hin zum aktuellen jüdischen Gemeindewachstum in Wroclaw. Eingeflochten werden Archivmaterialien, Familienfotos, Filmschnipsel von Massenaufmärschen – damals für Hitler, heute polnischer Nationalisten – und Ortsbegehungen. Es wird deutlich, wie selbstverständlich deutsch die jüdischen Bürger Breslaus waren – und wie vielfältig sich ihr Jüdischsein gestaltete, orthodox, liberal, christlich getauft. Zugleich ist der Bruch mit der alten Heimat bei allem Bemühen um Verständigung ein endgültiger. Dabei besticht, wie unglaublich um ein tolerantes Leben bemüht diejenigen sind, denen es gelang, die Nazis zu überdauern. Trotz der Trauer im Hintergrund sind die ehemaligen Breslauer bereit zum Austausch. Kapers Film gestaltet ihre Porträts derart, dass - ohne Schmälerung des Erlittenen - keine passiven Opfer vorgeführt werden. Vielmehr entsteht eine nachdrückliche Konfrontation mit überaus lebendigen Persönlichkeiten. Punktuell eingesetzte subtile Animationen unterstützen das Unterfangen ebenso wie die Musik von Bente Kahan. So wird die bekannte Geschichte individuell und achtsam neu erzählt, vielleicht eine Voraussetzung für das Erinnern auch durch zukünftige Generationen.

Anna Stemmler

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Details

Deutschland 2016, 100 min
Sprache: Deutsch
Regie: Dirk Szuszies, Karin Kaper
Musik: Patrick Grant, Carlo Altomare, Simon Wallfisch, Bente Kahan
Verleih: Karin Kaper Film
Kinostart: 17.11.2016

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