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Ursula Mamlok Movements

Porträt einer ungewöhnlichen Komponistin

Die Filmemacherin Anne Berrini beobachtet die Komponistin in Deutschland bei ihrer Arbeit und begleitet sie bis nach New York, wo Ursula Mamlok neben den Vorbereitungen zum Saison-Abschluss-Konzert der League of Composers alte Freunde wiedertrifft und sich an die New Yorker Vergangenheit erinnert.

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Das Bild der magisch leuchtenden Berliner Philharmonie im Abendlicht hat auf den ersten Blick romantische, fast touristische Qualitäten. Die politischen Implikationen des Baus für eine jüdische Komponistin, die im Alter von 16 Jahren vor den Nazis geflüchtet war und als 83-jährige die Rückkehr nach Deutschland wagte, sieht man in dieser ersten Einstellung erst einmal nicht. Doch der Blick auf Berlin ist der Blick von Ursula Mamlok, die als Mädchen erst in Ecuador ihr Exil fand um dann auf eigene Faust als 17-Jährige nach New York auszuwandern, Musik zu studieren und wenig später schon im Black Mountain College zu landen. New York habe sie damals sehr an Berlin erinnert, sagt Mamlok als betagte, aber unermüdliche Protagonistin in Anne Berrinis Dokumentarfilm. Wenn New York später ähnlich pittoresk in ausschnitthaften Bildern oder ruhigen Kamerafahrten ins Bild gerückt wird, kommt eine Versöhnlichkeit zum Ausdruck, die sich in den Erinnerungen Ursula Mamloks ebenso spiegelt, wie in denen ihrer WeggefährtInnen und FreundInnen. Es liegt eine Unaufgeregtheit, eine Ruhe in diesem Film, denn er lässt sich Zeit, Menschen zu befragen, Mamlok zu beobachten und Erinnerungen an das wach werden zu lassen, was man gemeinhin als ein bewegtes Leben bezeichnet. Daneben natürlich: Immer wieder die Musik -schwer zu greifen und am besten zu beschreiben als kompliziertes Spiel aus gegeneinander gesetzten Rhythmen und Dissonanzen, als Arrangements, die für Mamlok im Komponieren immer wieder Kampf bedeuten. So berichtet ihre Agentin Bettina Brand, die maßgeblich an der Idee zum Film beteiligt war, von den ständigen Kämpfen, die Ursula Mamlok mit sich selbst austrägt, wenn sie (immer noch) dabei ist, Noten zu Papier zu bringen. Am Ende des Films sehen wir die gleiche Einstellung der Philharmonie und haben gehört, wie Musiker von Spectrum Concerts Berlin und dem ensemble unitedberlin Mamloks Stücke interpretieren. Es ist die ungewöhnliche Musik einer ungewöhnlichen Komponistin, nicht zuletzt die Musik einer Überlebenden.

Toby Ashraf

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Details

Originaltitel: Ursula Mamlok – Movements
D 2014, 80 min
Genre: Biografie, Dokumentarfilm
Regie: Anne Berrini
Kamera: Ronald König
Kinostart: 05.06.2014

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