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Tito on Ice

Erkundung postjugoslawischer Alternativkultur

Die schwedischen Comiczeichner Max Andersson und Lars Lunnesson reisen auf der Suche nach postjugoslawischer Alternativkultur durch den Balkan. Den Ex-Diktator Tito haben sie dabei als Pappfigur auf dem Rücksitz dabei. Ein psychedelischer Roadtrip mit düsteren Zeichentrick-Episoden.

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35 Jahre lang war Josip Broz Tito der Staatschef Jugoslawiens. Der ehemalige Partisanenführer und spätere Diktator ist eine umstrittene Figur. Die Menschenrechtsverletzungen und vielen Todesopfer seines Regimes stehen außer Frage. Doch bis heute hat er viele Anhänger, da er die Balkanstaaten in seiner sozialistischen Republik Jugoslawien bündelte und zusammenhielt, dabei aber unabhängig blieb - vom kapitalistischen Westen wie auch von Stalin und der UdSSR. Nach seinem Tod 1980 zerfiel die sozialistische Republik Jugoslawien in ihre Einzelteile, aus denen sich bis heute, nach vier grausamen Kriegen, acht neue Staaten herausbildeten.
Die schwedischen Comiczeichner Max Andersson und Lars Lunnesson reisten 1999 zu einer Comic-Convention nach Slowenien - und damit mitten hinein in die Jugoslawienkriege. Ihre Erfahrungen dieser Reise hielten sie im Comic "Bosnian Flat Dog" fest, mit einem mumifizierten Tito im Kühlschrank als Hauptperson. Ihre zweite Reise durch den Balkan haben die beiden nun mit TITO ON ICE filmisch festgehalten. Der Diktator ist wieder dabei – diesmal als Styropormumie auf der Rückbank ihres Mietwagens. Der Fokus der zweiten Reise liegt neben der Ausstellung ihres Comics auf der Erkundung postjugoslawischer Alternativkultur: Comiczeichner, Buchhändler und Kinobetreiber werden interviewt und im selben Moment zu Charakteren eines neuen Comics. Denn TITO ON ICE teilt sich in reale Aufnahmen eines psychedelischen Roadtrips durch den Balkan, voller abstruser Situationen und Entdeckungen, und in eine Zeichentrickwelt, in der die Protagonisten sich mit Stop-Motion-Technik durch düster-minimalistische Schauplätze bewegen – Jan Svankmajer mit Pappfiguren.
Der kreative Überschuss Anderssons und Lunnessons resultiert in einer etwas hektischen und gerade zu Anfang überfordernden Inszenierung. Doch bleibt dieses Debutwerk ohne Frage im Gedächtnis: als einzigartiges visuelles Erlebnis und als erhellende Reise durch die Balkanstaaten und ihre Undergroundkultur. Ein komplexer und sehenswerter Film.

Yorick Berta

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Details

Schweden/Deutschland 2012, 76 min
Genre: Animation, Dokumentarfilm
Regie: Helena Ahonen, Max Andersson
Drehbuch: Max Andersson
Kamera: Helena Ahonen
Schnitt: Max Andersson
Musik: Gnjevni Crv, Delfini, Elektricni Orgazam, Idoli, Indexi, Klopka za Pionira, Dubioza Kolektiv, Crveni Koralji, Laibach, Luna
Verleih: Sabcat Media
Kinostart: 21.04.2016

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