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She's Lost Control

Ständige Unschärfe

Ronah arbeitet als 'sexual surrogate', sie bringt gehemmten Männern bei, was diese am meisten fürchten: den Körperkontakt. Die Kunden überweist ihr ein Psychotherapeut. Ihren neuen Klienten bekommt sie erkennbar nicht in den Griff.

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Als Surrogatpartnerschaft bezeichnet man im Deutschen das was im Englischen treffender "sex surrogate" heißt - eine Form von Sexarbeit zwischen physischer und emotionaler Therapie oder Assistenz, bei der PatientInnen Intimität und körperliche Nähe praktisch (neu) lernen sollen. In Anja Marquardts Debütfilm lernen wir Ronah kennen, die als sex surrogate erst mit Worten und später mit Berührungen Männer therapieren soll, und dafür ihren Körper zur Verfügung stellt. Ronah ist Single und merkwürdig losgelöst von der Welt. Ihre wenigen Sozialkontakte scheinen flüchtig, und es schleicht sich das Gefühl ein, dass ihre Arbeit als Ersatzpartnerin immer mehr zu einem sozialen Platzhalter ihrer eigenen Existenz wird. Das New York, in dem Ronah lebt, wird uns ins verwaschenen Farben und ständiger Unschärfe präsentiert - kein Ort der Verheißungen, sondern einer des zunehmenden Kontrollverlusts. Manhattan als unwirtlicher, unheimlicher Schauplatz ist hier der Spiegel einer frei arbeitenden Frau, bei der die Grenzen zwischen Selbstständigkeit und Einsamkeit immer mehr zu verwischen scheinen. Als die Beziehung zu einem Patienten vom Beruflichen ins Private fließt kommen die Parameter von Ronahs Leben endgültig gefährlich ins Wanken.
Der durch Kickstarter mit einem Mikrobudget realisierte Film, der seine Premiere im Forum der Berlinale feierte, kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen. Durch die präzise Kameraarbeit von Zachary Galler, die auf Effekthascherei verzichtet und mitunter dokumentarisch anmutet, baut sich langsam eine Stimmung der Bedrohung auf, die sich in dieser ungewöhnlichen Geschichte in den starken Gesichtern der beiden Hauptfiguren spiegelt; Brooke Bloom und Marc Menchaca legen ihre komplizierten Figuren differenziert und mit einer angemessenen Zurückhaltung an, und von Anja Marquardt möchte man nach diesem fulminanten Debüt noch viel mehr sehen!

Toby Ashraf

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Details

USA 2014, 90 min
Genre: Drama
Regie: Anja Marquardt
Drehbuch: Anja Marquardt
Kamera: Zack Galler
Schnitt: Nick Carew, Anja Marquardt
Musik: Simon Taufique
Verleih: Arsenal Institut
Darsteller: Laila Robins, Brooke Bloom, Marc Menchaca, Dennis Boutsikaris, Tobias Segal
Kinostart: 14.05.2015

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