Entfernung über GPS
ab PLZ

Return of the Atom

Atomkraftwerk, unvollendet

Die Filmemacher begleiteten den Bau eines Atomkraftwerks im finnischen Dorf Eurajoki über einen Zeitraum von acht Jahren. Neben den zunehmend skeptischer werdenden Anwohnern kommen auch Vertreter des französischen Konzerns Areva und von Siemens zu Wort.

Mehr

Im Jahr 2003 beginnen unweit des finnischen Dorfs Eurajoki die Vorbereitungen für den Bau der modernen Nuklearanlage OL3. Es soll das dritte Atomkraftwerk Finnlands werden – der erste Neubau eines Kernreaktors in Westeuropa seit 1986, seit dem Super-Gau von Tschernobyl. Die Filmemacher Mika Taanila und Jussi Eerola begleiteten das Projekt von der Grundsteinlegung an über einen Zeitraum von acht Jahren. In der Langzeitbeobachtung kommen sowohl Anwohner, als auch Vertreter des französischen Konzerns Areva und von Siemens zu Wort, die den Bau leiten. Dazwischen erklären Infografiken und Lehrvideos den Ablauf des Kraftwerkbaus, der recht bald ins Stocken gerät. Die anfängliche Euphorie der Dorfbewohner, die den Reaktorbau begrüßen, weil er an die 6000 Arbeitsplätze schafft, kippt in Ablehnung um, als die Baukosten explodieren und die Inbetriebnahme mehrfach nach hinten verschoben wird. Mit Ende der Dokumentation ist der Bau noch nicht abgeschlossen, die ursprünglich angedachten Kosten von 3 Milliarden Dollar wurden weit überschritten, und die Reaktorkatastrophe von Fukushima steht kurz bevor.
Im Kontext von Atomausstieg und Endlagerstreits passt RETURN OF THE ATOM thematisch gut in die Gegenwart. Doch der Erkenntniswert der mit 110 Minuten ziemlich langen Doku fällt gering aus. Taanila und Eerola finden keinen Fokus, keinen tragenden Konflikt, der über das Allgemeine hinausreicht. Auf etlichen Versammlungen diskutieren die Bürger wiederholt das Für und Wider des Großprojekts, während die federführenden Firmen und künftigen Betreiber beim Abwiegeln von Risiken und Nutzen zunehmend straucheln. Nach einer Weile stockt der Film dann ebenso wie der Bau des Kraftwerks.

Christian Horn

Teilen
Details

Originaltitel: Atomin paluu
Deutschland/Finnland 2015, 110 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Mika Taanila, Jussi Eerola
Drehbuch: Jussi Eerola, Mika Taanila
Kamera: Jussi Eerola
Schnitt: Mika Taanila
Musik: Pan Sonic
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 10.08.2017

Website
IMDB

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR.
Die Inhalte dieser Webseite dürfen nicht gehandelt oder weitergegeben werden. Jede Vervielfältigung, Veröffentlichung oder andere Nutzung dieser Inhalte ist verboten, soweit die INDIEKINO BERLIN UG (haftungsbeschränkt) nicht ausdrücklich schriftlich ihr Einverständnis erklärt hat.