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Raving Iran

Im Teheraner Underground

Arash und Anoosh sind Deep-House-DJs in Teheran. Um der permanenten Gefahr, verhaftet zu werden zu entkommen, organisieren sie einen Rave in einem abgelegenen Teil der Wüste. Zurück in Teheran, stehen ihnen überall Verbote im Weg, bis sie eine Einladung zur Street Parade nach Zürich erhalten.

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RAVING IRAN zeigt, mit oft wegen der allgegenwärtigen Gefahr auf dem Smartphone aufgenommenen Bildern, den House-Underground in Teheran und die permanente Angst vor der Polizei nicht nur bei den beiden DJs Arash und Anoosh, die gemeinsam eine sehr relaxte Version von Deep House machen und illegale Raves organisieren, sondern auch bei Ravern, Druckern, Restaurantbetreibern, Instrumenten- und Buchhändlern. Zugleich zeigt RAVING IRAN den wahnsinnigen Mut im iranischen Underground.

Immer wieder sieht Anoosh aus dem Fenster ihres kleinen Homestudios, und immer stehen Männer vor der Tür. Einmal hat die Polizei ihn fast totgeprügelt, als sie ihn auf einem Rave verhaftet haben, erzählt er seinem Freund. Eine Narbe auf seiner Stirn zeugt davon. Aber irgendwer kennt immer irgendwen, der sich traut, einen Schritt weiter über die Vorschriften hinaus zu gehen, jemanden, der einen neuen Kniff gefunden hat, wie sich die Fassade der Angepasstheit an das religionsfaschistische System aufrecht erhalten lässt, während in Wirklichkeit etwas ganz anderes läuft. Die Lüge ist das Prinzip des Systems, sagt ein CD-Verkäufer, die Regierung ist geil drauf, belogen zu werden. Tatsächlich ist überall ein gewisser Grad an Mogelei zu sehen: Im islamischen Kulturministerium hat die Entscheiderin das Kopftuch bis weit über die Haarlinie zurück geschoben und lächelt wissend, wenn sie sagt: „Alle wollen Frauen als Sängerinnen“, um dann den Antrag von Arash und Anoosh für Auftritte mit einer Frontfrau abzulehnen. Erlaubt wird nur „traditionelle“ Musik, Frauen nur in „traditioneller“ Vollbekleidung und nur im Hintergrund. In privaten Betrieben sind die Kopftücher noch weiter zurückgezogen, auf der Straße in Teherans hippem Restaurantbezirk hängen sie fast im Nacken, die langen blonden Haare hängen selbstverständlich über der Kleidung. Das System ist eine läppische Inszenierung, gegen die sich zu wehren lebensgefährlich ist.

In RAVING IRAN sind die Gesichter auf den Raves, außer denen von Arash und Anoosh, unkenntlich gemacht. Der Aufwand für einen illegalen Rave ist immens. Höchstens 40 Leute fahren zu einem horrenden Preis die ganze Nacht, den ganzen Tag lang durch die Wüste, um irgendwann so weit im Nichts zu sein, dass sie auch kein Kamelhirte mehr hören kann - wie beim letzten Mal, als sie verpfiffen wurden. Irgendwann scheint nichts mehr zu gehen, Arash wird bei einer Razzia verhaftet und kommt ins Gefängnis, wo er mit 50 Leuten in einer Zelle eingepfercht sitzt, bis seine Eltern ihn wieder herausholen.

Gelegentlich erinnern die Begeisterung von Arash und Anoosh und ihre Sehnsucht, der Unterdrückung zu entkommen, an den Underground in der DDR. Etwa wenn sie im Internet nach Events und Clubs suchen, an die sie ihre selbstgebastelte CD schicken können. Ihr Enthusiasmus zahlt sich aus, als sie eine Einladung zur Street Parade nach Zürich erhalten, und es ihnen sogar gelingt, ein Visum zu bekommen. Sie recherchieren sofort die Asylmöglichkeiten in der Schweiz und lesen von Fremdenfeindlichkeit. Aus der Schweiz ruft Anoosh seine Mutter an, die sagt: „Bleibt da. Wir wollen nicht, dass ihr zurückkommt. Ich hätte auch gehen sollen, und jetzt sitze ich mit 40 Jahren hier“. Aber Arash hat schon nach zwei Tagen Heimweh…

Susanne Regine Meures hat einen Dokumentarfilm gedreht, dessen Plot wie ein Thriller funktioniert, mit großartigem Sound und fantastischen Bildern, die immer wieder auch auf das verweisen, was nicht gezeigt werden kann. Eine weniger sentimentale und dringlichere Doku über Leute, die darüber nachdenken, sich um Asyl in Europa zu bewerben, habe ich noch nicht gesehen. Einen besseren Film über House auch nicht.

Tom Dorow

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Details

Schweiz 2016, 90 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Susanne Regina Meures
Drehbuch: Susanne Regina Meures
Kamera: Gabriel Lobos, Susanne Regina Meures
Schnitt: Rebecca Trösch
Musik: Ghazal Shakeri
Verleih: Rise and Shine Cinema
FSK: 6
Kinostart: 29.09.2016

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Raving Iran

Schweiz 2016 | Dokumentarfilm | R: Susanne Regina Meures | FSK: 6

Arash und Anoosh sind Deep-House-DJs in Teheran. Um der permanenten Gefahr, verhaftet zu werden zu entkommen, organisieren sie einen Rave in einem abgelegenen Teil der Wüste. Zurück in Teheran, stehen ihnen überall Verbote im Weg, bis sie eine Einladung zur Street Parade nach Zürich erhalten.

Vorführungen

City Kino Wedding

22.11. – Mi

TicketsKartenreservierung: Tel. 0152/596 87 921 OmU20:45

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