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Rakete Perelman

Kommune im Trudeln

Jen, eine junge Berliner Modemacherin, flüchtet aus der Stadt in die Künstlerkolonie „Rakete Perelman“ in Brandenburg.

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Eine Künstlerkolonie namens Rakete Perelman irgendwo im Nirgendwo, wo jeder sich kreativ so entfalten kann, wie er will: Das muss das Paradies sein. Deshalb kommt auch Jen hierher ins Brandenburgische, nachdem sie buchstäblich alle Brücken hinter sich abgebrannt hat und weiß, dass sie im Modebusiness nie wieder Fuß fassen kann. Einer ist DJ und spielt sein Set in einer leeren Scheune, eine andere ist Tänzerin, es gibt Puppenspieler, einer filmt die Kommune mit der 8mm-Kamera, und Tobias, der Erste unter Gleichen, ist Theatermacher. Ibsens "Hedda Gabler" soll Geld bringen, die Gagen für die Auftritte beim Dorffest können sie in der Rakete Perelman gut gebrauchen.
Gemeinsam der Idee von Freiheit nachstreben: Dieses Projekt kann natürlich an allem Möglichen scheitern. Zuvorderst am Geld. Für einen Umstrukturierungsantrag muss der Baustatiker bezahlt werden, und es gibt eine herrliche Szene zwischen Tobias und einem Behördenmenschen, der ebenso verknöcherter Beamter wie kunstbeflissener Bürger ist… Und dann sind da natürlich noch die Menschlichkeiten, die sich im Weg stehen; die Ideale und die Egoismen, der Frust und das Glück. Oliver Alaluukas gibt in seinem Debütfilm jeder der Figuren Zeit, sich als Charakter zu entwickeln – und sorgt doch dafür, dass sie immer wieder für Überraschungen gut sind.
Wir folgen Jen auf ihrem Weg durch die Beziehungslabyrinthe in dieser Rakete auf rasender Fahrt, die nach einigen Turbulenzen gleich zwei Kulminationspunkte erreicht, nach denen sie endgültig ins Trudeln kommt. Das ist als Kommune-Porträt vielleicht nicht so intensiv wie Marie Kreutzers DIE VATERLOSEN, und es ist nicht so radikal wie von Triers IDIOTEN - Alaluukas erzählt eher sanft, und umso eindrücklicher sind die Momente, wenn seine Charaktere ganz beiläufig neue Seiten von sich zeigen.

Harald Mühlbeyer

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Details

Deutschland 2016, 108 min
Sprache: Deutsch
Genre: Drama, Theateradaption
Regie: Oliver Alaluukas
Drehbuch: Johannes Rothe
Kamera: Valentin Selmke
Schnitt: Arno Scholwin
Musik: Daniel Glatzel, Inma Galliot, Robert Pilgram
Verleih: Daredo Media/Darling Berlin
Darsteller: Liv Lisa Fries, Gordon Kämmerer, Tobias Lehmann, Kai Müller, Lilly Marie Tschörtner
Kinostart: 09.11.2017

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