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Orientierungslosigkeit ist kein Verbrechen

Engagement, Ökonomie und Medienwirklichkeit

Griechenland 2014. Eine deutsche Journalistin recherchiert für eine Story irgendwas mit Flüchtlingen und Überwachung. Dabei trifft sie auf eine deutsche Aktivistin. Die beiden stapfen durch die Gegend und streiten sich über Engagement, Ökonomie und Medienwirklichkeit.

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Der größte Teil von ORIENTIERUNGSLOSIGKEIT spielt sich in Griechenland ab, im Jahr 2014. Eine deutsche Journalistin recherchiert für eine Story irgendwas mit Flüchtlingen und Überwachung. Dabei trifft sie auf eine deutsche Aktivistin, mit der sie dann gemeinsam durch die Gegend stapft. Wie immer bei Turanskyj führen die Darsteller ihre Rollen mehr vor, als dass sie sie verkörpern. Ihre Handlungen verweisen immer auf irgendeine naheliegende Bedeutung, psychologisch motiviert ist nichts. Darüber hinaus werden die Szenen zweimal durch eine Art Chor nackter Männer gebrochen. Die Journalistin und die Aktivistin streiten sich über Engagement, Ökonomie und Medienwirklichkeit: Die Aktivistin verdient ihr Geld als Vermieterin einer von den Eltern finanzierten Eigentumswohnung, die Journalistin führt ökonomische Widersprüche ins Feld. Sie selbst ist vor allem an Verwertbarkeit interessiert. Die Aktivistin fragt: „Wäre ich solidarischer, wenn ich mehr Lohnarbeit machen würde?“ Turanskyj hat hier mit der Dokumentarfilmemacherin Marita Neher zusammengearbeitet, dadurch sickert immer wieder auch Realität in den Film. Wenn das passiert, etwa an einer Schutthalde, unter der im Mittelmeer ertrunkene Geflüchtete begraben sein sollen, stehen die Darsteller schweigend herum und spielen Betroffenheit. Vielleicht sind sie auch tatsächlich betroffen. Es scheint jedenfalls um Repräsentation zu gehen. Ein Satz, der einer Szene mit nackten Männern im Park von einer nicht bestimmten Stimme aus dem Off gesprochen wird, schafft ein wenig Perspektive: „Jetzt müssen wir einen Raum schaffen, in dem wir uns völlig sicher und entspannt fühlen und alle ausschließen, die andere Interessen haben als wir.“ Das kann aus einer Meditation stammen, aus einer Sektenpredigt, oder aus der Politik. Es ist aber auch kein Verbrechen, nicht zu wissen, was man mit diesem Film anfangen soll.

Tom Dorow

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Details

Deutschland 2016, 73 min
Sprache: Deutsch
Regie: Tatjana Turanskyj, Marita Neher
Drehbuch: Tatjana Turanskyj, Nina Kronjäger, Anna Schmidt, Marita Neher
Kamera: Kathrin Krottenthaler
Verleih: Grandfilm
Darsteller: Nina Kronjäger, Anna Schmidt, Robert Schulz, Toby Ashraf, Simon Will
Kinostart: 16.03.2017

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