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Mistress America

Liebevolles Chaos

Tracy, neu in der Stadt und auf dem College, trifft Brooke, ihre ältere, hippere Stiefschwester in spe. Noah Baumbachs MISTRESS AMERICA fängt das Lebensgefühl der Mittzwanziger-Generation zwischen Nostalgie, verwirklichten und noch zu findenden Träumen atmosphärisch ein.

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In den ersten Minuten von MISTRESS AMERICA meint man schon, die sich andeutende Außenseitergeschichte vorauszusehen. Doch in Noah Baumbach (zuletzt GEFÜHLT MITTE ZWANZIG) Filmen sind die Prämissen nur der Anfang, Teil der Zeichnung einer bestimmten Gesellschaftsgruppierung. Tracy (Lola Kirke) ist neu auf dem College, in einer ebenfalls neuen Stadt und hat Heimweh. Doch auch im trauten Heim verändert sich im Moment alles, denn ihre Mutter heiratet wieder. Aus ihrer Einsamkeit heraus kontaktiert sie ihre Bald-Stiefschwester Brooke (Greta Gerwig). Die Chemie zwischen den beiden wird zum Motor des Films. Zwischen gesellschaftskritischen Rundumschlägen seitens Brookes und dem Sinnieren über Freundschaft und Ehrlichkeit dudelt Noah Baumbachs wie immer spezielle Indie-Pop-Auswahl. Der Altersunterschied der beiden Frauen und ihre unterschiedlichen Weltansichten beschreiben die lebenstechnische Zwischenphase der Mittzwanziger-Generation: den nostalgischem Blick auf vergangene Zeiten (Brooke) und die Bewunderung von verwirklichten Träumen und das Suchen nach eigenen (Tracy). Das Lebensgefühl zwischen Aufbruch und Rückschau verhandelt der Regisseur nicht nur in den vielen Dialogen, sondern vermag es atmosphärisch auf die Leinwand zu bannen. Das schlagfertige Drehbuch, viel Situationskomik und ununterbrochenes Anreißen neuer Themen und Ideen im nie versiegenden Laberrausch, lassen MISTRESS AMERICA vor allem gegen Ende wie ein improvisiertes Theaterstück wirken; ein kleines, aber liebevolles Chaos, mit dem Baumbach das Durcheinander in Brookes und Tracys Leben einfängt. Zwar hüpft Greta Gerwig hier nicht wie noch in FRANCES HA in schwarz-weiß durch die Straßen, MISTRESS AMERICA fühlt sich trotzdem wie ein inoffizielles Sequel an, das seinen Vorgänger aber nicht weiterführt, sondern anderweitig ergänzt.

Hardy Zaubitzer

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Details

USA 2015, 84 min
Genre: Komödie
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach, Greta Gerwig
Kamera: Sam Levy
Schnitt: Jennifer Lame
Musik: Dean Wareham, Britta Phillips
Verleih: Twentieth Century Fox
Darsteller: Greta Gerwig, Michael Chernus, Lola Kirke, Charlie Gillette, Seth Barrish
FSK: 6
Kinostart: 10.12.2015

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