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Madame Christine und ihre unerwarteten Gäste

Frankreich muss teilen

Es ist Winter und große Teile der Pariser Bevölkerung sind trotz Arbeit nicht in der Lage, eine Wohnung zu bezahlen. Also beschließt die Regierung, dass ab sofort zwangsgeteilt wird. In einem mondänen Eckhaus im 6. Arrondissement bricht daraufhin hektische Aktivität aus.

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Schon seit einiger Zeit beschwört das französische Unterhaltungskino Visionen von Gemeinschaft. MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER imaginierte eine Integration der multikulturellen Bedrohung in die französische Mittelschicht. Das Buddymovie ZIEMLICH BESTE FREUNDE träumte von einer Versöhnung von Elite und Banlieue, FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI brachte unterschiedliche Generationen zusammen und in der halb-freiwilligen WG von GEMEINSAM WOHNT MAN BESSER sprechen sogar die Beteiligten von „Solidarität“, auch wenn die erst einmal nur die weiße Mittelschicht umfasst.
MADAME CHRISTINE, der im Original LE GRAND PARTAGE/DAS GROSSE TEILEN heißt, geht das Thema gesellschaftlicher (Un-)Solidariät nun explizit an. Es ist Winter und große Teile der Pariser Bevölkerung sind trotz Arbeit nicht in der Lage, eine Wohnung zu bezahlen. Also beschließt die Regierung, dass ab sofort zwangsgeteilt wird. In einem mondänen Eckhaus im 6. Arrondissement bricht daraufhin hektische Aktivität aus. Leider macht MADAME CHRISTINE wenig aus dieser vielversprechenden Konstellation: Die Tonlage pendelt zwischen Klamotte, Satire und Rührstück und die Charaktere sind eine Ansammlung von sehr grob gezeichneten Stereotypen. Da ist die sozialistische Unidozentin, die partout nicht teilen will, der grantige Bauunternehmer mit dem guten Herz, und Madame Christine selbst, dessen sexuell und überhaupt unausgelastete Ehefrau. Am überzeugendsten ist die umtriebige faschistische Concierge gezeichnet und am irritierendsten ist die Darstellung der Afrikaner: Sie sprechen kein Französisch (obwohl Französisch in Mali Amtssprache ist), sie sind viele, und sie sind viril (sagt die Concierge). Wenig besser kommen die Frauen weg. Am liebsten möchte man den Film zurückgehen lassen, damit die Macherinnen noch einmal am Drehbuch arbeiten können. Die Idee ist nämlich zu gut, um sie zu verschenken.

Hendrike Bake

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Details

Originaltitel: Le grand partage
Frankreich 2015, 101 min
Genre: Komödie
Regie: Alexandra Leclère
Drehbuch: Alexandra Leclère
Kamera: Jean-Marc Fabre
Schnitt: Philippe Bourgueil, Ronan Tronchot
Musik: Philippe Rombi
Verleih: SquareOne/Universum
Darsteller: Karin Viard, Michel Vuillermoz, Patrick Chesnais, Josiane Balasko, Valerie Bonneton, Didier Bourdon
FSK: oA
Kinostart: 09.02.2017

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