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Machines

Perspektiven der Faszination

Rahul Jain zeigt die Produktion in einer Stofffabrik im indischen Bezirk Gujarat. Beim Sundance Film Festival für die beste Kamera und als bestes „World Documentary“ ausgezeichnet.

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Die Kamera, für die Rodrigo Trejo Villanueva beim Sundance Festival ausgezeichnet wurde, schwebt durch die niedrigen, dunklen und feuchten Räume einer Stofffabrik in Gujarat. Manchmal sinkt sie tiefer herab und nimmt die Perspektive eines Kindes auf. Der Großvater des Regisseurs Rahul Jain besaß eine Textilfabrik und Jain erinnert sich daran, verbotenerweise als Kind zwischen den Maschinen herum gelaufen zu sein, fasziniert von den riesigen, lärmenden Konstruktionen. Was die Kamera aufzeichnet, ist von einer ähnlichen kindlichen Faszination geprägt, und von einem erwachsenen Schrecken, der mit der Erkenntnis einhergeht, wovon die Faszination ausgeht. Die Arbeitsbedingungen in der Fabrik sind unmenschlich, der Lohn ist es auch: Umgerechnet drei Euro gibt es für eine der zwölfstündigen Schichten. Ein älterer Arbeiter macht immer gleich drei Schichten hintereinander, um sich das Zugticket zur Fabrik überhaupt leisten zu können. Wenn sich eine Gewerkschaft gründet, wird der Anführer erschossen, dann ist wieder Ruhe. Der Kapitalismus ist eine unsichtbare Maschine, aber verändert hat er sich seit dem 19. Jahrhundert nicht, nur verschoben. In Gujarat wird noch unter vorindustriellen Bedingungen produziert, die Druckvorlagen für Stoffe werden von Hand erzeugt, die Farben von Hand in Plastikfässern zusammengerührt. Von Hand werden riesige Stoffballen bewegt, Arbeiter kriechen in gewaltige Waschmaschinen, manche schlafen am Arbeitsplatz ein. Dabei sind die Bilder von Maschinen, Körpern, Dunkelheit und Licht auf perverse Weise schön, wie das Gemälde eines Eisenwalzwerks von Adolph Menzel. MACHINES ist ein Film, der den erschreckenden Blick, den er installiert, selbst zum Thema macht und immer wieder mit dem Abgebildeten abgleicht: mit der Erschöpfung, dem Zorn und der Verzweiflung der Arbeiter und dem Zynismus der Bosse.

Tom Dorow

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Details

Deutschland/Indien/Finnland 2016, 75 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Rahul Jain
Kamera: Rodrigo Trejo Villanueva
Schnitt: Yaël Bitton, Robert Fenz, Rahul Jain
Verleih: Pallas Film
FSK: oA
Kinostart: 09.11.2017

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Deutschland/Indien/Finnland 2016 | Dokumentarfilm | R: Rahul Jain | FSK: oA

Rahul Jain zeigt die Produktion in einer Stofffabrik im indischen Bezirk Gujarat. Beim Sundance Film Festival für die beste Kamera und als bestes „World Documentary“ ausgezeichnet.

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