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Kommunion

Mir geht es gut

Die 14-jährige Oda lebt mit ihrem autistischen jüngeren Bruder Nikodem und ihrem alkoholkranken Vater in einer winzigen Wohnung. Oda schmeißt den ganzen Laden, sie wäscht, kocht, und kümmert sich um Nikodem. Der soll bald zur Erstkommunion und Oda hofft, dass die Feier ihre Mutter wieder mit der Familie vereinen möge.

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Die winzige Wohnung, in der die 14-jährige Oda mit ihrem autistischen jüngeren Bruder Nikodem und ihrem alkoholkranken Vater lebt, ist eng und vollgekrempelt. Oda schmeißt den ganzen Laden. Die Türen des Schranks fallen auseinander, sie muss die Waschmaschine festhalten, die Spüle droht von der Wand zu fallen, aber Oda wäscht, kocht, und kümmert sich um Nikodem. Der soll bald zur Erstkommunion und Oda hofft, dass die Feier ihre Mutter wieder mit der Familie vereinen möge. Anna Zameckas Kamera bleibt fast immer bei Oda, deren Anstrengung bis in jeden Gesichtsmuskel zu spüren ist. Oda wirkt, als sei sie jeden Moment kurz vor dem Ausbruch oder Zusammenbruch, aber sie kann nicht ausbrechen und ein Zusammenbruch würde ihre letzte Hoffnung zerstören. Immer wieder ruft sie die Mutter an, die immer ganz andere Dinge umtreiben, wenn sie mal am Telefon ist. Wenn sie mit Nikodem für die Prüfung vor der Kommunion übt, wird Oda immer wieder wütend: Er muss eine Leistung erbringen, die ihm fast unmöglich ist, nur dann wird vielleicht die Mutter kommen. Nur zweimal entspannt sich Oda, das erste Mal ist es eine Pose. „Klar, mir geht es gut“, sagt sie dem Fallmanager auf dem Amt, und lächelt die Lüge rund. Für ein paar Sekunden aber wirkt Oda wirklich frei. „Revanche!“ brüllt sie und hüpft durch den Saal, in dem bei einer Schulfete gerade die Jungs die Mädels bei der Dance Battle geschlagen haben. Ihre Energie und Kraft müssten die Wände des Saals sprengen.
Anna Zameckas Film KOMMUNION ist dokumentarisch, aber er sieht aus und erzählt wie ein Spielfilm. Die Kamera macht die engen Räume noch enger, in die Oda und ihre Familie eingepfercht sind. Hier kann niemand entkommen, hier gibt es keine Handlungsspielräume und nur vage Hoffnung auf die allernächste Zukunft. Ob Oda die Kraft haben wird, aus dieser Welt zu entkommen, ist trotz all ihrer Willensstärke fraglich. Es ist eine Welt, die nicht für sie eingerichtet ist.

Tom Dorow

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Details

Originaltitel: Komunia
Polen 2016, 72 min
Genre: Dokumentarischer Film
Regie: Anna Zamecka
Drehbuch: Anna Zamecka
Kamera: Małgorzata Szyłak
Schnitt: Agnieszka Glinska, Anna Zamecka
Verleih: Peripher Filmverleih
Kinostart: 04.05.2017

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