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Ich wünsche dir ein schönes Leben

Einfühlsam

Die Physiotherapeutin Elisa fängt als Praxisaushilfe in Dünkirchen an, denn sie hofft, dort vielleicht ihre Mutter zu finden, die sie damals zur Adotion freigegeben hat und jetzt keinen Kontakt aufnehmen möchte.

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Beim Amt hat Elisa keine Chance: Sie wird nicht erfahren, wer ihre leibliche Mutter ist. Denn die meldet sich nicht, und ohne Zustimmung ist nichts zu machen, auch nach über 30 Jahren. Schnitt. Wir folgen einer älteren Frau auf die Arbeit als Putzfrau und Mensa-Bedienung in einer Schule. Sie wohnt mit ihrer Mutter zusammen, hat zwei Hunde, wohnt in Dünkirchen… Es gehört nicht viel dazu, eins und eins zusammenzuzählen. Elisa jedenfalls reist hierher, in ihre Geburtsstadt, sie will es wissen - und wird aus eigener Kraft nichts erfahren.
ICH WÜNSCHE DIR EIN SCHÖNES LEBEN, der zweite Spielfilm von Ounie Lecomte, erzählt aus mehrerlei Perspektive: Wir folgen Elisa, Physiotherapeutin, die als Praxisaushilfe in Dünkirchen anfängt, denn hier hat alles mit ihr begonnen. Wir folgen Annette, ihrer Mutter, die nicht ihre Mutter sein will. Und wir folgen Noah, ihrem Sohn mit unübersehbar arabischem Einschlag. Dabei entsteht eine große emotionale Spannung, die besonders spürbar wird, als Annette wegen ihres Rückens bei Elisa in der Sprechstunde erscheint. Sie wird gewalkt und massiert, zum Schluss schlingt Elisa die Patientin in Embryonalstellung um sich, um sie aufzulockern: ein starkes Pietá-Bild, aufgeladen mit so vielem, was bewusst und unbewusst abläuft. Mit größtem Einfühlungsvermögen geht die Regisseurin mit ihren Figuren um, mit größter Zurückhaltung filmt sie das Kreisen der Drei umeinander und um sich selbst. Es ist ein Film um Mutterschaft, um falsche, verleugnete, um erwünschte und niemals erreichte. Es ist auch ein Film über eine gespaltene Gesellschaft, in der das Fremde, zumal, wenn es aus Nordafrika kommt, mehr als scheel angesehen wird. Es ist ein Film, der von großen mentalen und seelischen Spannungen erzählt, die durch Elisas Massagen nicht aufzulockern sind, Spannungen, die uns daran hindern, ein wirklich schönes Leben zu führen.

Harald Mühlbeyer

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Details

Originaltitel: Je vous souhaite d'être follement aimée
Frankreich 2015, 100 min
Genre: Familienfilm, Drama
Regie: Ounie Lecomte
Drehbuch: Agnès de Sacy, Ounie Lecomte
Kamera: Caroline Champetier
Schnitt: Tina Baz
Verleih: Film Kino Text
Darsteller: Anne Benoît, Céline Sallette, Francoise Lebrun, Elyes Aguis
Kinostart: 15.06.2017

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