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I Am Not Your Negro

Poetisch und aktuell

I AM NOT YOUR NEGRO, Raoul Pecks Oscar-nominierter Dokumentarfilm auf der Grundlage eines unveröffentlichten Textes aus dem Nachlass James Baldwins, ist berührend in seiner sprachlichen Poesie und erschütternd in seiner Aktualität.

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I AM NOT YOUR NEGRO beginnt mit einem Ausschnitt aus der Dick Cavett Show, 1968. Cavett, damals der zweitpopulärste Talkshow-Gastgeber nach Johnny Carson, will seinem Gast James Baldwin eine Frage über den Fortschritt stellen. „Warum sind die Neger („Negroes“) nicht optimistischer?“ fragt er. Alles würde doch so viel besser, es gäbe Neger-Bürgermeister, es gäbe Neger im Sport, Neger in der Politik, sogar den ultimativen Ritterschlag: Neger in der Werbung. Baldwin grinst erst, dann zieht er die Augenbrauen hoch, schließlich lächelt er, während Cavett zu stottern beginnt: „W-wird es zugleich viel besser und ist es immer noch hoffnungslos?“ Baldwin antwortet: „Ich glaube, es gibt nicht viel Hoffnung, solange Menschen diese seltsame Sprache benutzen.“ Es käme nicht darauf an, was mit dem „Negro“, mit den Schwarzen passiere, sondern was mit diesem Land passiere. Mit seinem Hinweis auf „diese seltsame Sprache“ meinte Baldwin nicht Cavetts verklemmt wirkende Sprechweise, oder den Begriff „Negro“, der damals noch nicht allgemein als diskriminierend angesehen wurde. Es ging Baldwin nicht um „Correctness“, jedenfalls nicht vorrangig. Es ging ihm um eine Ausdrucksweise, in der sich die Idee spiegelt, dass Rassenkonflikte ein Problem der Schwarzen seien. Die „merkwürdige Sprache“, auf die Baldwin sich bezieht ist eine, die Rassismus als ein Problem der Schwarzen sieht, nicht als eines der weißen Rassisten, nicht als ein Problem, das die Gesellschaft insgesamt zersetzt.

Raoul Peck schneidet von dieser Szene zu einer Reihe von Fotografien der Demonstrationen in Ferguson, Missouri im August 2014, nach der Erschießung des unbewaffneten 18 Jahre alten Michael Brown durch einen weißen Polizisten. Wenn es Ende der sechziger Jahre Hoffnung für die USA gegeben haben sollte, was nach der Ermordung von Martin Luther King Jr. mehr als fraglich war, dann zeigt die „Black Lives Matter“-Bewegung, dass diese Hoffnungen sich noch nicht erfüllt haben. Was sich geändert hat, ist die Tatsache, dass die Ideologie der weißen US-Rassisten in den rechtspopulistischen Bewegungen Europas neue Verbündete gefunden hat, und dass ihre amerikanischen Protagonisten an entscheidenden Stellen im Weißen Haus sitzen.

I AM NOT YOUR NEGRO nimmt seinen Ausgangspunkt in einem unveröffentlichten Text aus dem Nachlass James Baldwins. Baldwin hatte 1979 den Plan, eine Geschichte der USA durch die Geschichte von drei seiner ermordeten Freunde zu schreiben, den Bürgerrechtlern Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King. „Remember this House“ betitelte Baldwin den Text, der unvollendet blieb und dessen Fragment dreißig Seiten umfasst. Im Film spricht Samuel L. Jackson Baldwins Sätze im Off, dabei ist seine Intonation kaum von der Baldwins selbst zu unterscheiden, von dem zahlreiche Interviews, Reden und andere Filmdokumente im Film zu sehen sind. Baldwins Sprache nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise von den Anfängen der Bürgerbewegung mit dem Montgomery Bus Boykott und den ersten öffentlichen Auftritten von Martin Luther King 1955 bis zu seiner Ermordung 1968.

Erschütternd ist I AM NOT YOUR NEGRO aber vor allem in seiner Aktualität. Einmal schildert Baldwin, wie ihn die Fotografie der 15-jährigen Dorothy Counts, einer afroamerikanischen Schülerin, die als eine der ersten Schwarzen zu einer weißen Highschool in Charlotte, North Carolina zugelassen worden war und auf dem Schulweg verspottet und angespuckt wurde, dazu bewegt hatte, aus dem Pariser Exil in die USA zurückzukehren. “Im Gesicht dieses Mädchen standen unaussprechlicher Stolz, Spannung und Schmerz, als sie auf die Hallen des Lernens zuschritt, während die Geschichte hinter ihr johlte“, schreibt Baldwin. „Ich fühlte mich beschämt. Irgendjemand von uns hätte mit ihr dort sein sollen“. Peck zeigt die Fotografien, und sie schockieren heute wie damals. Nicht nur wegen Dorothy Counts Contenance, sondern auch, weil wir die Blicke der spuckenden, spottenden Schüler und ihrer Eltern heute auch in Deutschland wieder gesehen haben. I AM NOT YOUR NEGRO ist für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert, und gerade hat er den Panorama-Publikumspreis bei der Berlinale gewonnen. Ein großartiger Film, für den gutes Englisch notwendig ist, damit man Baldwins Sprache tatsächlich erfahren kann. Mit Untertiteln allein wird man hier nicht weit kommen.

Tom Dorow

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Details

Frankreich/USA/Schweiz/Belgien 2016, 93 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Raoul Peck
Drehbuch: Raoul Peck, James Baldwin
Kamera: Henry Adebonojo, Bill Ross
Musik: Turner Ross
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: 12
Kinostart: 30.03.2017

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I Am Not Your Negro

Frankreich/USA/Schweiz/Belgien 2016 | Dokumentarfilm | R: Raoul Peck | FSK: 12

I AM NOT YOUR NEGRO, Raoul Pecks Oscar-nominierter Dokumentarfilm auf der Grundlage eines unveröffentlichten Textes aus dem Nachlass James Baldwins, ist berührend in seiner sprachlichen Poesie und erschütternd in seiner Aktualität.

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