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Es (2017)

ES ist wieder da. Expliziter und sich für's Erste nur auf die Geschichte der Kinder konzentrierend, darf Bill Skarsgard alles das machen, was Tim Curry noch nichtt erlaubt war.

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ES ist wieder da. 27 Jahre, nachdem Tim Curry in die berühmtesten Clownsschuhe ohne Fast-Food-Bezug stieg und unzähligen Halbwüchsigen einen Grund gab, sich im Badezimmer zu beeilen, hat es Stephen Kings Hommage an die Filmmonster seiner Kindheit auf die große Leinwand geschafft.

Halb zumindest. Das Buch „Es“ und die darauf basierende TV-Miniserie verschränkten die Geschichte einer Gruppe junger Außenseiter, die in den 1950ern ein gestaltwandelndes menschenfressendes Monster bekämpften, mit der darüber, dass diese Freunde in den 80ern in ihre Heimatstadt zurückkehren müssen, um „Es“ endgültig den Garaus zu machen. ES 2017 verlagert den Jugendteil in die 1980er und überlässt die Geschichte der Erwachsenen einer für 2019 angekündigten Fortsetzung, die dann wahrscheinlich 2017 spielen dürfte. Die Entscheidung, Kinder- und Erwachsenenzeit zu trennen, zerstört zwar den Gegenüberstellungsaspekt des Buches, tut ES als Film aber einen großen Gefallen, weil die Geschichte dadurch kompakter und scheinbar abgeschlossen macht. Auch die Verlagerung in die 1980er ist sinnvoll, weil der Film sich so auf die Jugenderinnerungen und prägenden Filme der Generation bezieht, die jetzt in einem Alter ist, wo sie nostalgisch auf diese Zeit zurückblickt, genau wie es King 1986 mit seinem Buch getan hat.

Natürlich ist es aber auch genau diese Altersgruppe, die sich jetzt hinstellt und nörgelt, dass es doch schon einen ES-Film gibt, dass Remakes Blödsinn sind und dass Tim Curry die Rolle des Pennywise ultimativ ausgefüllt hat. Nun ist es wahr, dass es 1990 schon einen dreistündigen TV-Zweiteiler gab, der sich des Buches angenommen hat und dass darin „Es“ hauptsächlich als böser Clown namens Pennywise erschien, der auch diesem Autoren den Zirkusbesuch für einige Jahre gründlich vergällt hat. Aber genauso wie „Es“ im Buch (und dem neuen Film) in vielen anderen Formen erscheint, hätte eine umfassende Verfilmung sowohl die Budgets als auch die 1990 herrschenden Vorstellungen davon, was man im Fernsehen zeigen kann, gesprengt. In Zeiten von THE WALKING DEAD wäre Kings Monstrum von einem Buch durchaus auch als Serie denkbar, besonders um den Aspekt, wie „Es“ die ganze Stadt Derry beeinflusst, stärker zu zeigen, aber da einige Teile des Buches einen Regisseur wie Gaspar Noé erfordern würden, ist auch dies noch unwahrscheinlich.

Der tatsächliche Regisseur Andy Muschietti (MAMA) lässt all diese Teile links liegen und konzentriert seinen Film eher auf sieben Freunde und die Geschichte eines Sommers für sie. Pennywise frisst ganz zu Anfang den Bruder von Bill Denborough, dem Anführer der „Loser“, und gibt so der Geschichte den Anstoß, aber selbst ohne übernatürliche Angriffe hätten die Jugendlichen genug mit ihrem ‚Coming of Age‘, ihren Eltern und gewalttätigen Mitschülern zu tun, um sie für den Rest ihres Lebens zu traumatisieren. Dabei liefert die junge Besetzung eine durchgängig überzeugende Schauspielleistung ab. Gerade dies macht es aber auch schade, dass das Drehbuch einige Straffungen gerade zu Lasten des einzigen Mädchens und des einzige Afroamerikaners in der Gruppe vornimmt.

Wenn „Es“ aber angreift, dann zieht es alle Register, die ein FSK-16- Horrorfilm zu bieten hat. Tim Currys Pennywise konnte nett wirken und war selbst in seinen bedrohlichsten Momenten noch irgendwie lustig. Bill Skarsgard ist nur bei seinem ersten Auftritt etwas, wovor selbst Erwachsene nicht schreiend wegrennen würden, geschweige denn jemand, dem Kinder vertrauen. Wenn „Es“ mal in seiner Gestalt erscheint, ist es auch eher er, der schreiend auf sein Opfer zurennt/-fliegt. Solche Schockeffekte sind sicherlich nicht raffiniert, erfüllen auf diesem Nostalgiehorrortrip aber ihren Zweck.

Man kann gespannt sein, in welche Richtung der zweite Teil die Geschichte führen wird, aber bis dahin und bis zur zweiten Staffel STRANGER THINGS ist dies auf jeden Fall eine lohnenswerte Einstimmung auf die dunklere Hälfte des Jahres.

Christian Klose

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Details

Originaltitel: IT (2017)
USA 2017, 135 min
Genre: Horror
Regie: Andres Muschietti
Drehbuch: Chase Palmer
Verleih: WARNER BROS.
Darsteller: Bill Skarsgard, Jaeden Lieberher, Finn Wolfhard
FSK: 16
Kinostart: 28.09.2017

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