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Ein deutsches Leben

Goebbels Sekretärin

Brunhilde Pomsel ist eine distinguierte 103 Jahre alte Dame. In EIN DEUTSCHES LEBEN erzählt sie - phänomenal präzise, erschreckend ungerührt, teils auch kritisch - aus ihrem Leben, vor allem aus den Jahren 1942 bis 45 als sie im Reichspropagandaministerium als Sekretärin von Joseph Goebbels arbeitete.

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Das ledrige, durchfurchte Gesicht Brunhilde Pomsels erinnert an die Haut eines Elefanten. Pomsel ist 103 Jahre alt als sie für diesen Film interviewt wird. Einen Film, in dem sie ausführlich aus ihrem Leben berichtet, namentlich den Jahren 1942 bis 45: Da arbeitete Pomsel im Reichspropagandaministerium als Sekretärin von Joseph Goebbels. Noch in den letzten Kriegstagen, nach Goebbels Selbstmord, hat Pomsel im Bunker Schriftsätze getippt. Man ist erschrocken ob des Selbstmitleids, der Selbstgerechtigkeit, der Naivität („Nichts haben wir gewusst.“), der Ungerührtheit, mit der Pomsel etwa über den Tod einer jüdischen Freundin im Konzentrationslager spricht. Man blickt aber auch staunend und mit gewissem Respekt auf eine mehr als hundert Jahre alte Dame. Staunend darüber, wie genau und teils auch kritisch Pomsel ihr Leben reflektiert, wie geistig fit sie noch ist, welche Details sie erinnert. Den Tag ihres Eintritts in die NSDAP schildert sie, als läge er Wochen und nicht viele Dekaden zurück. Ihre wohlüberlegte und präzise Diktion kündet von einem Leben, in dem Sprache stets von Bedeutung war. Wenn Pomsel einräumt: „Ich könnte keinen Widerstand leisten. Ich gehöre zu den Feigen“, dann kommt man als Kinobesucher, als Mensch des 21. Jahrhunderts nicht umhin, in sich hineinzuhorchen. Dass die in elegantem (vielleicht etwas zu apartem?) Schwarz-Weiß fotografierten Interviewpassagen von erschütterndem Archivmaterial – darunter neu Erschlossenes aus dem US Holocaust Memorial Museum und dem Steven Spielberg Film and Video Archive – unterbrochen werden, macht einem die Beantwortung der Frage, wie man selbst in ähnlicher Situation handeln würde, nicht leichter. Brunhilde Pomsel ist diesen Januar mit 106 Jahren gestorben. Beim Filmfest München noch, vergangenen Sommer, hat Pomsel den Wunsch geäußert, diese Dokumentation möge auch jungen Menschen gezeigt werden.

Matthias von Viereck

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Details

Österreich 2016, 113 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Christian Krönes, Olaf Müller, Roland Schrotthofer, Florian Weigensamer
Drehbuch: Florian Weigensamer
Kamera: Frank van Vught
Schnitt: Christian Kermer
Verleih: Edition Salzgeber
FSK: 12
Kinostart: 06.04.2017

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