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Django – Ein Leben für die Musik

Nicht mehr als 20% synkopiert

Etienne Comars DJANGO ist weniger ein Film über den Jazzgitarristen Django Reinhardt, als über das Verhältnis der Nazis zur Jazzmusik und über die Verfolgung von Sinti und Roma in Frankreich.

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1943 versuchte Django Reinhardt aus Frankreich in die Schweiz auszureisen, wurde aber an der Grenze zurückgeschickt. Bis zum Ende des Krieges lebte Reinhardt weiter in Paris. Das ist der historische Hintergrund, aus dem Etienne Colmar einen abenteuerlichen Filmplot strickt, der wichtige und interessante Themen verhandelt, aber nicht immer glaubwürdig ist. DJANGO ist weniger ein Film über den Gitarristen Django Reinhardt, als über das Verhältnis der Nazis zur Jazzmusik und über die Verfolgung von Sinti und Roma in Frankreich.

Django Reinhardt ist in den 40er Jahren einer der größten Stars der Pariser Jazzszene. In Colmars Film entwickelt ein SS-Mann und Jazz-Fan den bizarren Plan einer Deutschland-Tournee mit Django Reinhardt und seinem „Hot Club de Paris“. In der Realität wäre die Idee absurd gewesen, aber sie gibt dem Film Gelegenheit, die Strategie der Nazis gegenüber der populärsten Tanzmusik der Zeit zu skizzieren. Der Jazz-Gitarrist soll nur unter bestimmten musikalischen Auflagen in Deutschland auftreten dürfen, und die orientieren sich an historischen Weisungen der Reichskulturkammer für die Tanzmusik. Django, mit großer Präzision, Eleganz und Lässigkeit gespielt von Reda Kateb (DEN MENSCHEN SO FERN), wischt sich mit den Anweisungen der Nazis zur Jazzmusik beim Bohème-Dinner den Mund ab, muss aber dennoch entscheiden, ob er genau kontrollierte Musik spielen will – nicht mehr als 20% synkopiert, vorwiegend in Dur-Tonarten, keine Bluesnoten etc. – Jazz ohne Jazz, sozusagen, das war auch die Strategie der Reichskulturkammer gegenüber den deutschen Tanzorchestern und Combos, die dann darauf setzten, dass der durchschnittliche Nazi-Denunziant eine Synkope nicht einmal erkennen kann, wenn sie ihm in die Füße fährt.

Die Nazis setzen Django unter Druck, aber Django weiß, dass eine Tournee in Deutschland zu gefährlich wäre. Deportationen von Sinti und Roma haben bereits begonnen, und nur Djangos immense Popularität in Frankreich schützt ihn und seine Musiker. Die Resistance-Kämpferin Louise de Klerk (Cécile de France) verspricht, ihn und seine Familie in die Schweiz zu bringen, aber die Flucht führt zunächst in eine Sackgasse und zu einem längeren Aufenthalt bei Verwandten der weitverzweigten Reinhardt-Familie in einem Sinti-Lager. Ein Höhepunkt des Films ist ein Konzert vor Nazi-Granden, bei denen Django und die Familienband so heiß wie nur möglich spielen, um eine Undercover-Aktion der Resistance zu verschleiern.

DJANGO hat viel schöne Musik, Reinhardt-Kompositionen, die vom Rosenberg-Trio souverän nachgespielt werden. Aber Etienne Comar hat keinen Weg gefunden, wie Reinhardts Swing-Musik zum Ausdruck des Leidens der Sinti und Roma werden könnte, und so musste Warren Ellis, der langjährige musikalische Partner Nick Caves, ein Requiem komponieren, das klassische Stile der Romantik mit folkloristischen Elementen verbindet und als Ersatz für ein verschollenes Reinhardt-Requiem im Finale des Films zum Einsatz kommt. Die Musik, die Ellis komponiert hat, funktioniert als emotionale Coda des Films. Als ein Höhepunkt, der Django Reinhardts künstlerischen Ausdruck für das Leiden seines Volkes repräsentieren soll, ist ihr Einsatz unredlich. Statt Django Reinhardts Kunst ernst zu nehmen, wird seine Person in eine Erzählung von Heilung durch die Ästhetik der europäischen Hochkultur eingebunden.

DJANGO ist ein Film, der von wichtigen Themen bestimmt wird, aber eben nicht vom Interesse an Django Reinhardt, dessen aufregendes Leben durchaus genug Stoff für eine Filmerzählung hergibt. Immerhin wird das Verhältnis der Nazi-Zensur zum Jazz überhaupt einmal thematisiert. In den Griff bekam die faschistische Kulturideologie den Jazz nämlich nie, trotz immer neuer Anweisungen der Reichskulturkammer und brutaler Repressionen den Musikern gegenüber.

Tom Dorow

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Details

Originaltitel: Django
Frankreich 2017, 117 min
Sprache: Französisch, Englisch, Deutsch
Genre: Biografie, Musikfilm
Regie: Etienne Comar
Drehbuch: Etienne Comar, Alexis Salatko
Kamera: Christophe Beaucarne
Schnitt: Monica Coleman
Musik: Rosenberg Trio, Django Reinhardt
Verleih: Weltkino Filmverleih
Darsteller: Cécile de France, Alex Brendemühl, Reda Kateb, Antoine Laurent, Bea Palya
FSK: 12
Kinostart: 26.10.2017

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Django - Ein Leben für die Musik

(Django) | Frankreich 2017 | Biografie, Musikfilm | R: Etienne Comar | FSK: 12

Etienne Comars DJANGO ist weniger ein Film über den Jazzgitarristen Django Reinhardt, als über das Verhältnis der Nazis zur Jazzmusik und über die Verfolgung von Sinti und Roma in Frankreich.

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