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Beuys

Mehr als Filz und Fett

Für seine Collage über den Aktionskünstler Joseph Beyus hat sich Andres Veiel (BLACK BOX BRD) durch 400 Stunden Videomaterial, 300 Stunden Töne und über 20.000 Fotos gewühlt.

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Wenn er in einen Raum komme, erzählt Joseph Beuys in Großaufnahme gleich zu Anfang des Films, wolle er wissen, welche inneren Fragen die Leute hätten. Kontaktaufnahme geglückt: Einen geschickteren Einstieg hätte Regisseur Andres Veiel für seinen Dokumentarfilm über Joseph Beuys nicht finden können. Immerhin stellt er uns einen Künstler vor, der vielen nur noch als der Mann mit der Fettecke in Erinnerung ist. Doch was Veiel an Beuys interessiert, sind die zeitlosen Fragen, die auch uns heute noch beschäftigen.

Der Aktionskünstler hat das westdeutsche Publikum der sechziger und siebziger Jahre mit seinen Performances verstört und provoziert. Es ist ein großer Spaß, zu erleben, welche Diskussionen Beuys’ Aktionen in der Bundesrepublik auslösten. „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ war eins dieser Werke: Eine dreistündige Privat-Führung des Künstlers für ein totes Tier. Für „I like America and America likes Me“ hat sich Beuys mit einem Kojoten, mehreren Ausgaben des Wall Street Journal und einem Haufen Stroh tagelang in einen Zwinger in einer New Yorker Galerie einschließen lassen. Und auch die Legende, dass er als schwerverletzter Soldat im Zweiten Weltkrieg nach einem Flugzeugabsturz mit Hilfe von Fett und Filz von Krim-Tartaren gesund gepflegt wurde, kann zu seinem Gesamtwerk gezählt werden. Es ist Veiels Verdienst, dass er uns anstelle der vermeintlich ernsten Künstler-Ikone einen Menschen vorstellt, der mit seinem Publikum auch über seine Kunst lachen konnte. Warum er Schlitten statt Kinderwagen für seine Installation „Das Rudel“ benutzt habe, wird er in einer Podiumsdiskussion provokant gefragt. Da blitzt in Beuys’ Augen der Schalk auf und er antwortet schlagfertig, dass er die Kinderwagen für den Fragesteller aufgehoben habe. Und schiebt noch hinterher, er sei gespannt, was dieser Interessantes daraus machen werde.

"Man muss sich verschleißen", forderte Beuys – nicht nur von sich selbst. Sein ausgezehrtes Gesicht unter dem obligatorischen Hut weiß davon zu erzählen. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf betreute er freiwillig hunderte von Studenten mehr als seine Kollegen und legte sich dafür mit der Landesregierung an. Anlässlich der siebten documenta in Kassel ließ er 5000 Eichen im Stadtgebiet pflanzen, auch wenn der letzte Baum erst nach seinem Tod im Jahr 1986 gesetzt wurde. Als ob er Beuys’ Aufforderung gerecht werden wollte, hat sich Veiel durch 400 Stunden Videomaterial, 300 Stunden Töne und über 20.000 Fotos gewühlt. Es ist die große Stärke des Films, dass er sich bis auf ein paar wenige Interviews mit Zeitgenoss*innen fast ausschließlich auf die Kraft des Archivs verlässt. Immer wieder sortieren die beiden Editoren Stephan Krumbiegel und Olaf Voigtländer das Material in einer Art Bewegtbild-Kontaktbogen. Damit werden Verbindungen geknüpft, einzelne Aktionen fokussiert und die visuelle Fülle zelebriert. BEUYS zeigt das Bild eines ruhelosen Vollzeit-Künstlers: in seinem Atelier, bei seinen Happenings und als humorvoller Gesprächspartner.

Beuys’ Botschaft war recht einfach: Jeder Mensch ist ein Künstler. Ein politischer Kunstbegriff, der davon ausgeht, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Das zeigt sich in Beuys’ Kunst, in seiner Auseinandersetzung mit der geheimen Kraft des Geldes, in seinem Versuch, in den achtziger Jahren als Politiker für die neugegründeten Grünen zu bestehen. Doch am Ende wird klar, was Beuys wirklich angetrieben hat: Seine immerwährende Auseinandersetzung mit einer nie verheilenden Wunde. Dem Riss, der entsteht, wenn die Ratio auf die Institution trifft. Das Aufgerieben Werden in einer Gesellschaft, die uns vorschreiben möchte, wie wir zu leben, wie wir zu handeln haben. Diese Wunde ist bis heute nicht ausgeheilt.

Im Wettbewerb um die Goldenen Bären hatte die Künstlerbiografie leider keine Chance. Doch Andres Veiels Auseinandersetzung mit dem Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke ist hochaktuell.

Simone Dobmeier

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Details

Deutschland 2017, 107 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Andres Veiel
Drehbuch: Andres Veiel
Kamera: Jörg Jeshel
Schnitt: Stephan Krumbiegel
Verleih: Piffl Medien
FSK: oA
Kinostart: 18.05.2017

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Deutschland 2017 | Dokumentarfilm | R: Andres Veiel | FSK: oA

Für seine Collage über den Aktionskünstler Joseph Beyus hat sich Andres Veiel (BLACK BOX BRD) durch 400 Stunden Videomaterial, 300 Stunden Töne und über 20.000 Fotos gewühlt.

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