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Als Paul über das Meer kam

Der Flüchtling und der Dokumentarfilmer

Eigentlich wollte Jakob Preuß einen Film über die Außengrenzen Europas drehen, stattdessen ist ein sehr persönlicher Film über seine Freundschaft zu Paul aus Kamerun, der in einem marokkanischen Flüchtlingslager auf seine Chance wartet, entstanden.

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Als Jakob Preuss 2011 nach Nordafrika kam, wollte er eigentlich einen Film über die Außengrenzen Europas drehen. Hier, vor den Toren von Marokko steht eine Mauer, die für Flüchtlinge das Tor zu einem besseren Leben bedeutet. Zu Hunderten sitzen sie auf dem Wall und warten auf ihre Chance, ihn unbemerkt zu überwinden, in eines der Erstaufnahmelager zu fliehen und dort Asyl zu beantragen. Einige versuchen ihr Glück mit Schleusern übers Meer. Jakob Preuss zählt zu den Privilegierten, die den Weg in beide Richtungen problemlos zurücklegen können. Mit seiner Kamera in der Hand ging er in eines der Camps, wo die Menschen auf ihren Moment der Flucht warteten und traf dort auf Paul, einen freundlichen Mann Anfang Dreißig, der ihn durch die provisorische Zeltstadt führte. Er hatte bereits eine Odyssee hinter sich, die ihn von Kamerun bis hierher führte. In seiner Heimat war er von der Uni geflogen, weil man ihn mit Studentenprotesten in Zusammenhang brachte. Ein Stipendium in Kanada konnte er nicht antreten, weil er kein Visum bekam. Armut und die Anfeindungen anderer Stammesmitglieder ließen ihm keine Wahl als die Flucht nach Europa anzutreten. Zwischen den beiden unterschiedlichen Männern entwickelt sich eine Freundschaft, die geprägt ist von Erwartungen und Hoffnungen, Helfenwollen und Hilflosigkeit und einer scheinbar unüberwindbaren Schlucht zwischen zwei Lebensrealitäten.
Preuss bezieht auch die Grenzer in seinen Film ein, zeigt ihren Alltag, die moralisch fragwürdigen Express-Abschiebungen an der Mauer und die Streifgänge der Grenzschützer an den Rändern der Republik. Aber es sind die Begegnungen mit Paul, die den Schlagzeilen ein Gesicht geben. So wird aus dem geplanten Blick aus der Distanz ein zutiefst persönliches Langzeitdokument.

Lars Tunçay

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Details

Deutschland 2017, 101 min
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Jakob Preuss
Drehbuch: Jakob Preuss
Kamera: Juan Sarmiento G.
Schnitt: Franziska von Berlepsch, Karoline Vielemeyer
Verleih: Farbfilm Verleih
FSK: 6
Kinostart: 31.08.2017

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